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Bauorden-Teilnehmer zum Praktikum in Berlin

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Jans Graber absolviert Freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) beim Internationalen Bauorden
201101praktikanten_graber_kleinDas erste Mal traf ich Klaus Hagemann in Ungarn. Er besuchte das Projekt des Internationalen Bauordens, bei dem ich neben mir 4 Freiwillige das Haus der Familie eines Anschlagopfers renovierten. Im Gespräch befand ich mein Gegenüber als sowohl erfahren als auch geistig junggeblieben und dank der gegenseitigen Sympathie erhielt ich auch prompt eine Einladung, bei ihm in Berlin ein Praktikum machen zu können. Diese einmalige Chance wollte ich natürlich unbedingt nutzen.

Es dauerte noch ein halbes Jahr, bis ich in meinem FÖJ Zeit fand, der Einladung nachzukommen. Nachdem wir uns bei einem angenehmen Gespräch noch etwas genauer miteinander vertraut gemacht hatten, vereinbarten wir die Sitzungswoche vom 29.11. bis 3.12.2010 als Praktikumszeit. So reisten ich und Sultan Altan, eine türkische Teilnehmerin an früheren Bauorden-Camps, sonntags nach Berlin und checkten ins Meiniger Hotel am Hauptbahnhof ein, um am nächsten Tag ausgeschlafen in unser Abenteuer „Bundestag" starten zu können.

Nachdem wir verfroren unseren Weg ins Jakob-Kaiser-Haus gefunden hatten, erklärte uns Klaus den Ablauf der Woche und welche interessanten Termine auf dem Plan standen. Danach besorgten wir uns einen Haus-, sowie einen Presseausweis, damit wir uns in den Bundestagsgebäuden frei bewegen konnten. Klaus Praktikant Leon führte uns den Mittag über durch den Gebäudekomplex und zeigte uns alle wichtigen Örtlichkeiten. Dabei erfuhren wir auch einiges über die Geschichte des Bundestages und der deutschen Demokratie. Am Abend desselben Tages gab es gleich die erste Besonderheit: Eine Sondersitzung des Haushaltausschusses war einberufen worden, da der Finanzminister Schäuble die Planung des Rettungspaketes für Irland erläutern und sich um Einvernehmen mit dem Ausschuss bemühen wollte. Das wir abends angefüllt mit Eindrücken und Informationen direkt ins Bett gingen, sollte in dieser Woche zur Regel werden.

Die Woche setzte sich danach aus Sitzungen der Arbeitsgruppen der SPD und der Ausschüsse, in denen Klaus Hagemann arbeitet, das Durchgehen der aktuellen Petitionen, der Fraktionssitzung, Besuchen des Plenarsaals und dem ergiebigen Austausch mit „unserem Politiker" zusammen.

Besonders aufschlussreich waren für mich drei Dinge:

Zuerst war da das Treffen des Petitionsausschusses mit Frank-Walter Steinmeier. Neben der Besonderheit, nur wenige Meter neben einem derart bekannten Politiker zu sitzen, machte diese eine Stunde für mich deutlich, wie viele Dinge ein Mann in seiner Position zu beachten hat. Nicht nur ist jede Stunde seines Tagesablaufes durchgeplant, er muss auch noch ständig darauf bedacht sein, seinem Gegenüber zuzuhören, keine falschen Versprechungen zu machen und der politischen Richtlinie seiner Partei in allen Bereichen treu bleiben.

Als zweites war da die Fraktionssitzung der SPD, an der wir teilnehmen durften. Sie gab uns einen Einblick hinter die Kulissen der solide wirkenden Fassaden des deutschen Fraktionssystems.

Zuletzt ist natürlich noch die Diskussion im Plenum zu erwähnen, bei der sich die Gemüter derart aufheizten, dass sie Sitzung unterbrochen und der Ältestenrat einberufen werden musste. Neben der unterhaltsamen Note, die sonst so kultiviert auftretenden Politiker in Aufruhr zu sehen, war dieser Part besonders bedeutsam für mich, da ich erlebte, wie Rhetorik-Künstler es vermögen, bei einer Sache immer wieder aus einem anderen Ansatz heraus zu argumentieren, dass einem nach jedem Redner die Ansichten seiner Partei als logisch erscheinen.

Wenn ich gezwungen wäre, diese Zeit zusammenzufassen – was ich nur ungern tue, da dabei eine Vielzahl von interessanten Aspekten vernachlässigt werden – dann würde ich es folgendermaßen tun:

Ein Praktikum bei Klaus Hagemann ist nicht dazu da, ein junges, frei denkendes Geist davon zu überzeugen, dass die Politik eigentlich viel besser funktioniert als es in den Medien dargestellt wird. Es dient dazu, diesen zu fördern und zu fordern, ihn dazu anzuregen nachzufragen und zu verstehen. Nach meiner Woche im Bundestag ist mir viel klarer, dass es nicht ausreicht, sich auf „die da oben" zu verlassen, sondern sich selbst zu mobilisieren, zu informieren und persönlich aktiv zu werden.

Jannis Graber

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