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Mit "Abgeordnetengeschwindigkeit" bewegen

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Praktikumsbericht von Corinna Becker

201103praktikanten_corinnabecker_kleinKlaus Hagemann und ich lernten uns bereits vor einigen Jahren bei seiner umfangreichen Arbeit im Wahlkreis kennen. Bereits damals bot er mir ein Praktikum an, während meines Studiums war es jedoch wegen meiner Nebenjobs schwierig, ein Praktikum bei ihm zu absolvieren. Ich wollte möglichst viele Einblicke hinter die Kulissen erhalten und hatte mich daher entschlossen, das Praktikum sowohl im Wahlkreis selbst als auch in Berlin zu machen. Nach meinem Studium war es dann endlich soweit: Am 31.Januar 2011 trat ich das Praktikum im Wahlkreis an. Im Büro angekommen, lernte ich Klaus Hagemanns Mitarbeiter im Wahlkreis sowie Sebastian kennen, der in der ersten Woche ebenfalls ein Praktikum absolvierte.

Da ich Politikwissenschaft studiert hatte, wusste ich bereits, dass der Arbeitsalltag von Abgeordneten in jeglicher Hinsicht umfangreicher ist, als viele Menschen denken. Die Organisationsweise des Deutschen Bundestags bringt es mit sich, dass ein großer Teil der Beratungen und Vorarbeiten bereits in den teilweise zeitgleich tagenden Ausschüssen abläuft, so dass das Plenum selbst meist nicht voll besetzt ist.

Gleich in der ersten, aber in den folgenden Wochen meines Praktikums bekam ich einen Einblick darin, wie hektisch es tatsächlich zugehen kann: Während der Zeit im Wahlkreis verbrachten wir vergleichsweise wenig Zeit im Büro sondern besuchten Verbände, verschiedene Einrichtungen, Projekte und Unternehmen. Während der Gespräche mit Bürgern und Bürgerinnen, Bürgermeistern, Unternehmensvertretern und Petenten lernten wir Praktikanten schnell, wie groß die Bandbreite der Probleme ist, mit der sich ein guter Abgeordneter befasst. Währenddessen hatten wir stets Papier und Stift gezückt, um die wichtigsten Punkte mit zuschreiben. Später brauchten wir diese Notizen, um Pressemitteilungen zu verfassen oder Anliegen von Petenten zu bearbeiten. Gleichzeitig konnten wir uns Dank der vielen neuen Informationen, die wir im Wahlkreis sammelten, ein Bild zu aktuellen Themen machen. Zwischen zwei Terminen wurden oft Vor- und Nachbesprechungen geführt oder sonstige Büroarbeiten abgesprochen. Gab es keine Termine im Wahlkreis, wurden wir in die normale Büroarbeit eingebunden. Pressespiegel mussten erstellt, Pressemitteilungen geschrieben und Einladungen verschickt werden.

Den Überblick über diese Themenvielfalt zu behalten und gleichzeitig wichtige Details nicht aus den Augen zu verlieren, ist eine spannende Herausforderung nicht nur für die Abgeordneten.

Die zweite Woche meines Praktikums verbrachte ich in Berlin. Als Politikbegeisterte war ich bereits bei meiner Anreise am Sonntag Feuer und Flamme und freute mich riesig auf die Zeit in Berlin. Ich sollte nicht enttäuscht werden: Wir erhielten Einblick in viele spannende Bereiche, darunter Fraktionssitzungen, Ausschuss-, Unterausschuss- und AG-Sitzungen und nicht zuletzt besuchten wir natürlich Plenarsitzungen. Besonders die Debatten zu Frauenquote und den in dieser Woche gescheiterten Harz IV-Verhandlungen boten einen kräftigen Schlagabtausch unter den Abgeordneten und brachten amüsante Versprecher mit sich. Wer aufmerksam zuhörte, konnte über so manche Inkonsequenz lächeln und verfolgen, wie um so manchen Punkt herum argumentiert wurde. Wir erhielten also einen umfangreichen Einblick in die Arbeit als Abgeordneten. Wir lernten allerdings auch, wie Petitionen den Bundestag erreichen können und wie sie dann weiter bearbeitet werden. Es war sehr interessant zu sehen, mit welchen Anliegen sich Petenten an den Bundestag wenden und wie mit diesen Petitionen verfahren wird.

Zwischen den einzelnen Terminen bewegten wir Praktikanten uns mit „Abgeordnetengeschwindigkeit", die wir recht schnell von Klaus Hagemann übernommen hatten. Hatte er selbst eine freie Minute, beantwortete er uns alle unsere Fragen, erzählte Anekdoten aus dem Plenaralltag und erläuterte die Zusammenhänge im Parlament und seinen Häusern. Der Parlamentarier gab sich dabei gern große Mühe und wir fühlten uns alle sehr gut aufgehoben. Einen großen Beitrag dazu leisteten aber auch seine Mitarbeiter im Wahlkreis- und im Berliner Büro. Alle empfingen uns herzlich und halfen bei Rückfragen zu unseren Aufgaben und sonstigen Fragen. Obwohl Klaus Hagemann regelmäßig Praktikanten betreut und diese dementsprechend häufig wechselten, war die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern stets persönlich und freundlich. Schön ist vor allem, dass wir Praktikanten nicht zur Kaffeemaschine mit integrierter Botenfunktion degradiert wurden, wie das in manchen Praktika der Fall ist, sondern tatsächliche Einblicke in die richtige Arbeit sowohl der Abgeordneten selbst als auch seiner Mitarbeiter gewinnen konnten.

Ein Glücksfall waren auch meine Praktikantenkollegen in Berlin: Obwohl das eher die Ausnahme ist, waren wir alle Studenten/Absolventen. Es war schön, alle unsere Beobachtungen gemeinsam kommentieren zu können. Ben, ein Gaststudent aus Großbritannien, konnte außerdem sein zusätzliches Wissen über das politische System Großbritanniens einbringen, so dass wir alle mit einem viel größeren Wissensschatz die Woche beenden konnten.

Abschließend kann ich sagen, dass das Praktikum eine wichtige und sehr schöne Erfahrung für mich war. Obwohl mir viele Zusammenhänge bereits aus dem Studium bekannt waren, war es sehr schön, alles einmal „live und in Farbe" verfolgen zu können. Aber auch weniger an Politik interessierte sollten sich nicht scheuen, ein solches Praktikum zu machen. Da viele Zusammenhänge klarer werden, verändert es die Sichtweise auf Politik, den politischen Alltag und teilweise auch auf die Parteien selbst. Darüber hinaus hatte ich das Glück viele nette Menschen kennen zu lernen, mit denen ich auch in Zukunft gerne in Kontakt bleiben möchte.

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